Ministrantentreffen der Rom- und Assisi-Pilger
in Büllingen
07.03.2009

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468 Ministranten und Begleitpersonen pilgern nach Rom und Assisi

Ostbelgiens größte Wallfahrt in den Startlöchern

Büllingen

„Nur noch wenige Wochen trennen uns von Ostbelgiens größter Wallfahrt“, sagte ein freudestrahlender Claude Theiss, der zusammen mit 82 Begleitpersonen die große Pilgergruppe von 468 Teilnehmern nach Assisi und Rom begleiten wird.

In der Tat: Das hat Ostbelgien noch nicht gekannt. 386 Ministranten im Alter von 14 bis 18 Jahren aus den ostbelgischen Pfarrverbänden brechen am Freitag, dem 3. April, zu einem „Abenteuer“ auf, das sich nicht als eine touristische Fahrt sondern als eine Pilgerreise versteht, wie der Schönberger Pfarrer immer wieder betont, auch wenn es bei den Jugendlichen mit der ostbelgischen Frohnatur nicht ganz bierernst zugehen wird.

Mit „kreativen Ideen” haben die jungen Menschen in den vergangenen Monaten die finanziellen Rahmenbedingungen für die Fahrt nach Rom zu verbessern versucht.In verschiedenen Pfarrverbänden wurden Veranstaltungen mit Verkaufsangeboten durchgeführt, um den einen oder anderen Euro zur Deckung der Reisekosten zu erarbeiten. Vor allem die Lasagne-Aktion, bei der fast 20.000 Portionen ostbelgienweit verkauft wurden, kannte einen bis dahin noch nicht da gewesenen Rekord.

Die Vorfreue war am Samstag spürbar; als sich die große Ministrantenschar in der Turnhalle und in den Klassenräumen des Bischöflichen St. Marien-Instituts Büllingen versammelte, um nicht nur einander kennenzulernen, sondern auch konkrete Verhaltensweisen zu üben und letzte Hinweise zu erhalten. Für Claude Theiss geht es nicht nur um die äußere Organisation dieses kirchlichen Großereignisses, sondern auch darum, dass mit der Wallfahrt „das Feuer des Glaubens und der Gemeinschaft im Glauben in den Jugendlichen neu entfacht“ wird. Deshalb bittet er auch in einem Schreiben an die Eltern um das Gebet, eine Bitte, die er ebenfalls auf alle Christen Ostbelgiens ausweitet. Dass bei einer so großen Gruppe die Regeln strikt eingehalten werden müssen, betont der 41-jährige Pastor immer wieder. Er kann auf eine feste Betreuercrew bauen, die sich in den vergangenen Monaten über zehn Mal in Schönberg und Weywertz getroffen hat.

Mit einem Tross von zehn Bussen werden die Ministranten aus den Dekanaten Eupen-Kelmis, Büllingen und Sankt Vith nach einem Aussendungsgebet am Freitag, dem 3. April, um 9.00 Uhr in der St. Vither Pfarrkirche nach Assisi und Rom aufbrechen und am Samstag nach einem Frühstücksbuffet am Luganer See gegen 7.30 Uhr in der Stadt des Heiligen Franziskus eintreffen. Am späten Nachmittag erfolgt die Weiterfahrt in die Ewige Stadt, wo am Palmsonntag der Gottesdienst mit Papst Benedikt auf dem Petersplatz gleich in die Erfahrung von Weltkirche einführt. Die nächsten Tage dienen dazu, das alte Rom kennenzulernen. Der Petersdom, die Basilika Santa Maria Maggiore und die Lateranbasilika, die Katakoben, das Mausoleum der hl. Konstanzia und die Kirche St. Paul außerhalb der Mauern wie auch die Vatikanischen Museen und die Ruinen von Ostia stehen auf dem anstrengenden Pilgerprogramm. Neben den Besichtigungen gibt es aber auch Begegnungen mit Christen von heute und nicht zu vergessen die Abendmahlfeier am Gründonnerstag mit dem Papst in der Lateranbasilika.

Aber auch die Gemeinschaft in der Gruppe soll nicht zukurz kommen. Rom by night zu erleben oder verschiedene Workshops und andere Gruppentreffen sollen die Gemeinschaft fördern und das Erlebte vertiefen.

Im Grunde habe die Pilgerreise aber schon begonnen, bemerkt der Pilgerleiter, denn das Wesentliche geschieht „auf dem Weg“, im „Miteinander“ und in gegenseitiger „Offenheit“. Eine Wallfahrt fordere heraus und beschenke die Teilnehmer. Der „Motor“ der Reise sei der Glaube, der „vertieft“ und „verinnerlicht“ werde. So stand das große Vorbereitungstreffen in Büllingen auch ganz im Zeichen der „inhaltlichen Planung“, denn es komme nicht nur darauf an, die Pilgerreise zu organisieren, sondern sie vor allem „mit Leben zu erfüllen“, meinte abschließend Pastor Claude Theiss.



STIMMEN

Wir befragten einige Ministranten nach ihrer Freude im Vorfeld der größen Wallfahrt Ostbelgiens

Dominic Ritz (14) aus Walhorn: „Mein Opa war bereits in Rom und hat mir mit viel Begeisterung von dieser Stadt erzählt. Auch ich möchte das mal erleben und neue Freunde kennen lernen.“

Catherine Cremer (15) aus Crombach: „Ich freue mich riesig darauf, Assisi und Rom kennenzulernen. Es wird wohl ein einzigartiges Erlebnis.“

Nadine Hilgers (14) aus Wirtzfeld: „Die Stadt Rom hat so viele Sehenswürdigkeiten, die ich kennenlernen möchte. Dass ich dies mit vielen anderen erleben darf, macht dieses Ereignis für mich so einzigartig.“

Kai Jodocy (14) aus Iveldingen: „Ich freue mich vor allem darauf, den Papst auf dem Petersplatz und in der Lateranbasilika zu erleben. Ich werde bestimmt auch viel Spaß mit anderen erleben.“

Olivier Wiesemes (14) aus Montenau: „Rom ist eine so große Stadt, dass es dort viel zu sehen und zu erleben gibt. Es ist schon eine tolle Sache, mit Freunden eine solche Reise zu unternehmen. Auf dieser Reise möchte ich auch Gott näherkommen.“

Raphael Boemer (14) aus Weywertz: „Ich freue mich auf die Besichtigung der vielen Kirchen in Rom. Auch das Atelier „Fußballquiz“, an dem ich teilnehmen werde, macht mich schon sehr neugierig.“

Tobias Johanns (15) aus Nieder-Emmels: „Ich möchte einmal den Papst persönlich erleben. Dass wir gleich zweimal das Glück haben, macht mich besonders froh. Auch bin ich gespannt auf die vielen Kirchenbesichtigungen.“

Anne Heiners (17) und Mary-Ann Kessler (17) aus Manderfeld: „Wir freuen uns besonders auf Rom, denn es ist eine bekannte und kulturell reichhaltige Stadt mit einer interessanten Geschichte. Abenteuerlust, Entdeckungsfreude und das ‚feeling‘, mit vielen anderen die Ewige Stadt und Assisi kennenzulernen spielen bei uns auch eine große Rolle. Neben den Sehenswürdigkeiten sind wir auch gespannt auf die Begegnungen mit dem Papst.“


Interview mit Beatrix Bourseaux und Jean-Marc Schmitz

Wir führten ein Interview mit zwei Begleitpersonen der Rom- und Assisi-Wallfahrt der Ministranten Ostbelgiens.
Beatrix Bourseaux (50) aus Walhorn nahm bereits an der vorigen Wallfahrt nach Rom teil und ist Primarschullehrerin in der Sonderschule der Eupener Unterstadt, während Jean-Marc Schmitz (27) aus St. Vith, der an der Grundschule Rocherath unterrichtet, zum ersten Mal die Pilgerfahrt mitleitet.

Was hat Sie motiviert, sich als Begleitperson für die Ministrantenwallfahrt zu melden?

Beatrix Bourseaux: Zunächst einmal reise ich gerne und schätze das Gruppenerlebnis. Ich kenne Rom schon als Pilger und möchte persönlich âuf den Spuren des Christentums in der Ewigen Stadt wandeln, um die Wurzeln des Glaubens zu entdecken. Als Mitglied der Walhorner Kontaktgruppe möchte ich auch die Jugendlichen aus meiner Pfarre begleiten und unterstützen.

Jean-Marc Schmitz: „Ich arbeite gerne mit jungen Menschen. Rom ist sowohl von der Geschichte als auch vom Glauben her eine interessante Stadt. Als Abiturient bin ich bereits in Rom gewesen und habe mir damals vorgenommen, nochmals dorthin zurückzukehren. Als Ministrant konnte ich damals nicht mitfahren. Eine Pilgerfahrt in einer großen Gruppe muss doch ein tolles Erlebnis sein.

Worin sehen Sie Ihre vorrangige Aufgabe auf dem Weg und in Rom und Assisi?

Beatrix Bourseaux: Die Aufgabe wurde uns von der Pilgerleitung zugeteilt. Ich bin Busverantwortlicher der Gruppe „Kurienkardinäle“ und trage damit die Verantwortung für diese Busgruppe. Durch mein Dabeisein möchte ich auch zur guten Stimmung und zur Begeisterung in der Gruppe beitragen.

Jean-Marc Schmitz: Ich möchte mithelfen, dass die Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis erfahren. Auch ich bin Busverantwortlicher der Gruppe „Märtyrer“ und trage Sorge dafür, dass in dieser großen Stadt niemand verloren geht.

Wie haben Sie die intensive Vorbereitungszeit erlebt?

Beatrix Bourseaux: Mir wurde bewusst, welche enorme aufwändige Organisation hinter so einem Unternehmen steckt. Jetzt geht es richtig los. In der Zeit der Vorbereitung habe ich einen persönlichen Kontakt zu den Ministranten und deren Eltern aufbauen können, die mir ja ihr Vertrauen schenken.

Jean-Marc Schmitz: Ich habe dieses Jahr, in dem wir uns zehn Mal getroffen haben, als sehr intensiv und spannend erlebt. Die Vorfreude ist stetig gewachsen, je konkreter die Planungen wurden und je mehr wir uns dem Start nähern.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Beatrix Bourseaux: Ich nehme zum zweiten Mal an der Ministrantenwallfahrt teil, so dass ich schon in etwa weiß, was uns erwartet. Ich freue mich besonders auf die Begegnung mit dem Papst am Palmsonntag und Gründonnerstag. Ein ‚Extrazückerchen‘ werden für mich die Vatikanischen Museen sein. Aber auch die Gemeinschaft mit den anderen, deù gemeinsamen Essen mit immer anderen Teilnehmern sehe ich mit Freude entgegen.

Jean-Marc Schmitz: Ich freue mich besonders auf das alte Rom mit Kolosseum und Forum Romanum. Auch möchte ich die Sehenswürdigkeiten entdecken, die ich bei meiner letzten Reise in Rom nicht gesehen habe, wie die Katakomben und die Lateranbasilika. Am meisten freue ich mich aber auf die Stimmung, die ich bei ähnlichen Ereignissen wie der Lourdes-Pilgerfahrt oder dem Weltjugendtreffen erlebt habe.

Welche Bedeutung messen Sie den Glaubenserfahrungen bei den Jugendlichen bei?

Beatrix Bourseaux: Einige Mitreisende unter den Jugendlichen werden die Wallfahrt vielleicht als „Tourist“ erleben. Durch die Gemeinschaft und die Gottesdienste mit dem Papst, wo Weltkirche sichtbar wird, hoffe ich aber, dass sie sich von der Glaubensfreude und Begeisterung anderer anstecken lassen

Jean-Marc Schmitz: Die Glaubenserfahrungen werden wohl von Person zu Person verschieden sein. Ich weiß nicht, ob sich alle Jugendlichen vom Glauben anstecken lassen oder ihren Glauben weiter entfalten können. Aber schon einige unter ihnen werden sicherlich etwas mitnehmen, denn der Glaube wird in Gemeinschaft erlebt. Ich hoffe aber, dass viele Jugendliche sich für den Glauben öffnen und ihn zulassen.